„Das München vor 1983 scheint ein Raum des künstlerischen Überschwangs und der Utopie zu sein. Hans Pleschinskis Roman „Bildnis eines Unsichtbaren“ ist die Zeitkapsel, die uns dorthin bringt.“ schreibt Anja Kampmann in ihrem Nachwort.“
Und fürwahr, nach dem Lesen habe ich das Gefühl eine ganze Ära in einer Zeitkapsel bereist zu haben.
Erstmals erschien der Roman bereits 2002 beim Hanser Verlag und ist jetzt in einer Neuauflage im C.H. Beck Verlag veröffentlicht worden. In den jetzt ergänzten Nachbemerkungen schreibt der Autor, wie viel ihn die Niederschrift gekostet hat.
„Die Niederschrift vom Bildnis eines Unsichtbaren brachte mich nah an den seelischen und körperlichen Zusammenbruch.“
Denn „Bildnis eines Unsichtbaren“ ist ein extrem persönlicher und wahrhaftiger Roman, der dem lebenslangen Gefährten des Erzählers ein Denkmal setzt. Und nicht nur ihm.
Nicht nur „Bildnis eines Unsichtbaren“, sondern von vielen
Es sind die Beschreibungen der vielen Menschen, denen der Erzähler begegnet, die den Roman so lebendig machen. Manche kreuzen nur kurz seinen Lebensweg wie beispielsweise die Senior*innen im Altersheim, wo der junge Mann seinen Zivildienst leistet. Andere begleiten ihn viele Jahre über ganze Lebensabschnitte hinweg.
Und einer, der ist ganz besonders: Volker.
Der Erzähler lernt Volker, 15 Jahre älter als er, zufällig in einer Sauna kennen. Die beiden freunden sich an und werden ein unkonventionelles Liebespaar. Sie werden ihr Leben über zwei Jahrzehnte teilen, bis Volkers Tod sie scheidet.
„Immer wollte ich zugunsten eines reichen Lebens erzählen, erzähle aber vom Tod. Man sollte dieses Buch beiseitelegen. Es passt nicht in die Zeit. Das Heitere darin scheint flüchtiger zu sein als das Traurige. Aber vielleicht irre ich mich.“
Der Erzähler schildert, wie in die schillernde Welt der Münchner Boheme Anfang der 80er das HI-Virus eindringt und in seinem Freundes- und Bekanntenkreis Tod und Angst bringt
1983 liest er zum ersten Mal in einem Spiegel-Artikel von dem damals tödlichen Virus:
„Ich las und begriff noch nicht. Zeile um Zeile drang Angst durch die Wände und unvorbereitet ins Innerste vor. Das Daseinsgefüge zerbrach innerhalb weniger Minuten. Was zuvor belebt hatte, die Liebe, tötete nun.“
Es war dieser Aspekt, der mich an dem Roman besonders interessiert hat. Ich hatte schon in „Die Schlafenden“ von Anthony Passeron von der Ausbreitung der AIDS-Pandemie in Frankreich gelesen und mit „Sauhund“ von Lion Christ in das Münchner Milieu der Zeit geschnuppert und wollte die vielgelobte Stimme von Pleschinski nicht verpassen.
Leider war seine Erzählweise, die anekdotisch anmutet und so viele Weggefährt*innen des Erzählers so detailliert vorstellt, nicht mein Fall. Wahrscheinlich bin ich von der vielen autofiktionalen Literatur, die wirklich das eigene Gefühl und Erleben der Erzählenden exponiert und exploriert, verdorben, denn das ist Pleschinskis Sache nicht. Er bleibt vielmehr fast wie in einer Beobachterposition und gibt nur zwischen den Zeilen und mittels der geschilderten Begebenheiten und Dialoge die Palette seiner Gefühle zu erkennen. Ich weiß, dass auch dieser Erzählstil von vielen in meiner Buchbubble sehr geschätzt wird.
Vielen lieben Dank an den C.h.Beck Verlag für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Hans Pleschinski für die Neuauflage seines Romans!





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