BITCH HUNT von Veronika Kracher

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Bitch Hunt Veronika Kracher

Der Fall Collien Fernandesz ist nur ein prominentes Beispiel dafür, wie Männer sich digital an Frauen vergehen. Geschlechtsspezifische Shitstorms, Beleidigungen und Bedrohungen sind für Frauen, die analog und digital präsent sind, wie Influencerinnen und Politikerinnen, an der Tagesordnung. Ich selbst habe mich explizit gegen die Nennung meines Namens und meines Geschlechts bei der Erstellung meines ersten öffentlichen Social Media Profils entschieden. 

Ich habe Angst, dass wir uns zunehmend aus diesen digitalen Räumen zurückziehen und unsere Möglichkeiten der Mitgestaltung in Netz immer geringer werden. 

Zu Recht, wie mir das Buch von Veronika Kracher leider bestätigt. 

„Letztendlich geht es in diesem Buch um eine ganz simple Frage: Wieso verhalten wir uns im Internet Frauen gegenüber eigentlich so scheiße? Die Antwort darauf ist, wie so vieles, dann doch ziemlich komplex.“

Das Schöne an Krachers Buch ist, dass sie versucht, diese komplexe Antwort möglichst zugänglich und ja, auch unterhaltsam, aufzudröseln. Sie beginnt mit einer ausführlichen Hinführung und Erklärung der Zusammenhänge des “Misogynist Slop Ecosystems”. Damit wird das weitverzweigte Netzwerk aus Online-Inhalten, Influencern und Social Media Plattformen, die durch aggressive Frauenfeindlichkeit, Hassrede und die gezielte Abwertung von Frauen Gewinne erzielen, bezeichnet.

Bitch Hunt – das Buch der Stunde

Besonders interessant war für mich das Kapitel mith Krachers Analyse des Falls Ambers Heard vs. Johnny Depp. Bestimmt sind auch dir einige Details der von der Presse stark ausgeschlachteten Prozesse nicht entgangen. Vielleicht denkst du jetzt, dass dieser öffentliche „Rosenkrieg“ zweier Promis auf dem absteigenden Ast gar nichts mit dir oder nur wenig mit Feminismus zu hat. Ich denke, dass gerade solche prominenten Beispiele zeigen, in welchen Zustand unsere Gesellschaft gerade ist.

Kracher hat den Fall über lange Zeit intensiv verfolgt und in „Bitch Hunt“ für uns aufbereitet und analysiert.

Kracher schreibt wissenschaftlich und bereichert ihre Analysen stellenweise mit ihren persönlichen Erfahrungen als progressive FLINTA im Netz. Auch sie selbst war schon massiven Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt und ich bewundere ihre Kraft und ihren Mut, sich dem weiterhin zu stellen.

Gegen Ende des Buches kritisiert Kracher das Bedürfnis gerade der feministischen, linken Szene, die „eigene Blase so widerspruchsfrei und moralisch rein wie möglich zu halten“. Ein Mechanismus, den ich auch auf Bookstagram in wiederkehrenden Zyklen immer wieder beobachte.

“Dieser permanente und autoritäre Internet-linke Circle Jerk ist meines Erachtens Umgang mit der gesellschaftlichen Ohnmachtserfahrung: Es ist einfacher, innerhalb der eigenen Community Sanktionen auszuüben und dadurch ein – wenn auch verfremdetes – Gefühl von Ermächtigung zu erfahren, als den komplizierten Weg politischer Organisation zu gehen.”

„Bitch Hunt“ war für mich auf jeden Fall ein Must Read und es hat mich sehr gefreut, wie konkret Kracher ihre Analysen auf den Punkt bringt. Und auch, wie spannend und aufregend (in jeder Hinsicht) sich das Buch liest. Deswegen würde ich sagen, dass „Bitch Hunt“ für alle Lesenden mit aber auch ohne feministische Agenda eine große Empfehlung ist!

  • Veronika Kracher
  • Bitch Hunt Veronika Kracher Klappentext

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