„Das weiße Schloss“ ist für mich der allererste Roman des Berliner Schriftstellers Christian Dittloffs und es war 2018 auch sein Debütroman. Jetzt wird schon bald sein vierter Roman „Das Leichteste der Welt“ erscheinen.
Tatsächliche hatte ich „Das weiße Schloss“ schon länger auf meiner Wunschliste, weil mich die Kurzbeschreibung stark angesprochen hat. „Ein mutiger Roman über neue Elternschaft und die Grenzen persönlicher Freiheit“ heißt es da, ein Thema, das mich seit 15 Jahren sehr beschäftigt. Vor 15 Jahren ist mein erstes Kind auf die Welt gekommen. Ein unglaublich gewünschtes Kind – und trotzdem hatte ich während der Schwangerschaft nervous breakdowns aus Angst wie sich mein Leben jetzt verändert würde.
Auch Ada und Yves wünschen sich ein gemeinsames Kind, wollen aber gleichzeitig, dass ihr Leben genauso bleibt wie es ist. Dafür gibt es in Dittlofs Roman, der in einer nicht näher spezifizierten Zukunft oder Parallelwelt stattfindet, mittlerweile eine bequeme Lösung: im weißen Schloss können Wunscheltern ihr Kind nicht nur von einer Leihmutter austragen lassen, sondern es auch gleich komplett von ihr aufziehen und betreuen lassen. Wenn man möchte kann man sein Kind dann zu bestimmten Zeiten besuchen und sein Entwicklungsstand überprüfen.
Ada und Yves stellen nach einem Besuch im Schloss fest, dass das genau das Modell ist, das sie suchen, und entscheiden sich auch gleich für die potentielle Leihmutter Marie.
Besonders überzeugend für das junge Paar ist die Tatsache, dass ihr potentieller Nachwuchs aufs Beste versorgt werden wird, wie sie es selbst wahrscheinlich niemals leisten könnten, ohne ihr gesamtes bisheriges Leben aufzugeben.
Das weiße Schloß – eine Lösung für modernen und gleichberechtigte Elternschaft?
Das ist genau der Punkt, den Dittloff immer wieder herausarbeitet. Ist die komplette Selbstaufgabe als Elternteil nötig, um seinem Kind das beste Leben zu ermöglichen? Und noch weiter: ist diese komplette Selbstaufgabe überhaupt möglich?
Seit ich selbst Elternteil bin, balanciere ich auf diesem schmalen Grad aus Selbstaufgabe und Selbsterhaltung, und manchmal stürze ich. Natürlich frage ich mich beim Lesen von „Das weiße Schloss“, ob Adas und Yves Arrangement auch für mich in Frage gekommen wäre.
Ich finde „Das weiße Schloss“ ist ein super interessanter Roman, der viele Fragen aufwirft und nachdenklich macht, ohne eine moralische Wertung zu offensichtlich vorzugeben.
Mich erinnert Dittloffs Roman auch ein wenig an den dystopischen Roman „Schwindende Welt“ von Sayka Murata, nur liest er sich (zum Glück?) wesentlich weniger verstörend. Aber beide Autoris greifen eigentlich meine feminstischen Träume auf, und denken sie weiter – so weit bis sie zu Albträumen werden?
Dittloffs Schreibstil hat mich in seiner Komplexität und Intellektualität super positiv überrascht und erfreut, so dass ich neugierig auf seine anderen Bücher geworden bin.
Falls du „Das weiße Schloss“ noch irgendwo auf dem SuB hast oder in einer Buchhandlung entdeckst, empfehle ich dir, diesem Backlist-Titel eine Chance zu geben!
Erschienen 2018 beim Berlin Verlag. Ein großes Dankeschön an Christian Dittloff himself für diesen Roman und das sehr gewünschte Exemplar. Alles Liebe und viel Erfolg für alles weitere!





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