Der Fährmann von Regina Denk

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Der Fährmann Regina Denk

“Dass nämlich in ihrem Fährmann ein schrecklicher Sturm tobte, der drauf und dran war, ihn von innen zu zerreißen, weil das, was er immer schon gewusst hatte, dass er die Elisabeth Hofer mehr liebte als sein eigenes Leben und dass irgendwann der Moment kommen würde, wo er sie ganz und gar aus seinem Kopf verbannen musste – zusammen mit jeder Hoffnung, sie könnte irgendwann die Seine werden -, dass dieser Moment nun gekommen war und dies einen kaum auszuhaltenden Schmerz für ihn darstellte.”

Mit diesem Zitat möchte ich diesen Text über den Roman „Der Fährmann“ von Regina Denk beginnen, denn es spiegelt gut den Erzählton und die emotionale Leidenschaft wider, die dich in diesem Roman erwarten. Inhaltlich wird es dem historischen Roman allerdings nicht gerecht. Denn es steckt weitaus mehr als Herzenschmerzen in Denks zweitem Roman und präsentiert sich so als Upmarket-Literatur, die anspruchsvolle, literarische Qualität mit hoher kommerzieller Attraktivität verbindet.

Hannes, der Fährmann, ist ein absoluter Hottie und hat das Herz am rechten Fleck, darf aber leider, leider nicht heiraten, eben weil er der Fährmann ist. Begehrt wird er gleichermaßen von Elisabeth wie von Annemarie. Hannes liebt aber, wie das Eingangszitat beschreibt, nur die Elisabeth. Die wird aus finanziellen Gründen mit dem Josef, einem reichen Hoferben und baldiger Großbauern verheiratet. Der wiederum steht aber eigentlich nur auf Annemarie (wegen ihrer wilden Locken?) und hält sie sich als nicht ganz freiwillige Geliebte.

Glücklich ist mit der aus Konventionen und sozialen Zwängen heraus entstandenen Konstellation niemand. Wobei, das ist zu euphemistisch. Besser ist: es entsteht richtig großes Leid, das vor allem die beiden Frauen hart trifft.  Und nicht nur die Menschenhand (Josef!) schlägt brutal zu, sondern auch das Schicksal und verhindert immer wieder, dass zusammenfindet, was zusammengehört.

Dann bricht der Erste Weltkrieg aus, und vieles wird anders…

“Der Fährmann“ – too hot to handle?

Was mir an Denks Roman besonders gut gefallen hat, ist, dass sie die schrecklichen Auswirkungen des Ersten Weltkrieges thematisiert. Und aber vor allem, wie sie die Figur des klassischen Antagonisten Josef anlegt. Josef, der den drei anderen, moralisch strahlenden Figuren, entgegensteht, ist nicht der platte Bösewicht, der sadistische Tyrann, wie ich ihn aus anderen Romanen, wie beispielsweise  „Die Säulen der Erde“, kenne. Denk gibt ihm einen eigene Stimme. Sie zeigt auf, wie erst die Gewalt und die emotionale Härte ihn zu dem Menschen werden lassen haben, der anderen und sich selbst nicht mehr lieben kann.

„Mehr gehauen als dich selbst, weil er ein Bub ist und darum die Härte früh kennen muss, um sie später selbst zu haben, dem man ein Leben lang alles Gute aberzogen hätte, weil das Weichsein eine Schand ist.“

Diese psychologische Tiefe in Verbindung mit Denks fesselnden und gekonnt in der Tonlage jener Zeit (oder zumindest wie wir uns das heute so vorstellen) gehaltenem Erzählstil machen „Der Fährmann“ zu einem Pageturner, den ich trotz des Augenrollens gerne und gut unterhalten gelesen habe.

Wenn du gerne zu qualitativ hochwertigen historischen Romane greifst und raumeinnehmende Liebesgeschichten für dich kein No-Go sind, ist „Der Fährmann“ bestimmt eine Empfehlung für dich!

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