Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas

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Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas

Thomas liebt die gebrochenen Figuren, und auch ihre neue Protagonistin Michelle ist eine Frau mit wechselhafter Vergangenheit. Sie hat den Tod ihrer Mutter noch nicht verarbeitet und nachdem ihre Selbstständigkeit mit einem kleinen Schmuckladen gescheitert ist, muss sie jetzt noch länger Schulden abbezahlen. Um diesen schmerzhaften Erinnerungen zu entkommen, zieht sie in eine andere Stadt und arbeitet in einem Hotel als Rezeptionistin.

Auch mit Männern hat sie nicht viel Glück, aber sie nimmt sich was sie von ihnen braucht.

Bis sie den attraktiven und liebenswürdigen Henry kennenlernt und sich die beiden ineinander verlieben. Was als heiße Bettgeschichte begann, geht bald tiefer und Michelle merkt, dass Henry aus ganz anderen finanziellen und familiären Verhältnissen stammt, als sie selbst.

Let‘s name it: Henry stammt aus einer wohlhabenden Familie und hat mit seinem langweiligen aber gut bezahlten Beruf keinerlei finanzielle Schwierigkeiten.

Er hat selbst nie erwogen, den ihm vorbestimmten Weg zu verlassen, und ihn faszinieren Michelles spontane Energie, die Kreativität, und ihre unverstellte Ehrlichkeit. Auch in Henrys Familie wird Michelle warm aufgenommen und sie fühlt sich dort geborgen und willkommen. Das Paar führt eine stabile, sichere und liebevolle Beziehung.

Henry ist bereit für den nächsten Schritt, wie er sich ihn in einer sicheren Beziehung vorstellt, als Michelle ein vielversprechendes berufliches Angebot erhält, das die tiefen Gräben in ihrer Beziehung offenbart…

Nur die zweitgrößte Liebe?

Ich liebe es, wie sie beschreibt, wie sich Henry und Michelle gegenseitig ergänzen und voneinander lernen und aneinander wachsen. Und gleichzeitig die gravierenden Unterschiede ihrer verschiedenen Startbedingungen herausarbeitet, ohne einen der beiden zu verurteilen.

Aber ich schweife ab, das ist nicht das Thema in Thomas‘ Roman. Vielmehr stellt sie die Frage in den Mittelpunkt, ob und wie die Liebe die Unterschiede unserer Herkunft überwinden kann und ob wir bereit sind den Preis dafür zu zahlen.

Ich fand den zweiten Roman von Ruth-Maria Thomas auch wieder richtig großartig und mit vielen Anknüpfungspunkten zum Nachdenken und Diskutieren. Ob mit oder ohne Identifikationspotential.

  • Ruth-Maria Thomas
  • Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas Klappentext

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4 Kommentare zu „Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas“

  1. Avatar von Lieselotte Loewenherz

    Ich habe das Buch gestern beendet und bin auch ganz begeistert. Und ich habe wie so oft REDEBEDARF! 🙂
    Daher schon mal danke für diesen Beitrag und diese Perspektive.

    Meine Sympathiepunkte gehen auch ganz eindeutig an Michelle. Ich konnte mich ebenfalls sehr mit ihr identifizieren. Und ja, auch Henry ist anfangs liebenswert und ich verstehe seine Intentionen. Aber das kippte für mich irgendwann total, sodass ich kopfschüttelnd die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen habe. Er hat sie bedrängt, er hat sie versucht zu manipulieren und hat übergriffige Entscheidungen getroffen – getarnt als Liebe und Unterstützung. Weil ER sich ihrer Herkunft geschämt hat und es ihm dabei nur um sich ging und nicht wirklich um Michelle.
    Und trotzdem war sie am Ende „die Böse“, die das Geld genommen und ihn verlassen hat. Das fand ich bitter, weil es so wahr ist. Weil Männer und Frauen mit zweierlei Maß gemessen werden…

    Wie interpretiert ihr den Titel? Das würde mich noch interessieren. 🙂

    1. Avatar von Burnerdano

      Danke für deinen Kommentar 🤩! Da gehe ich mit dir vollkommen d‘Accord. Henry hat zwar vielleicht gute Absichten (eigentlich), aber er ist einfach total übergriffig und fühlt sich ihr überlegen und denkt natürlich, wie bei Männern* vermutlich öfter, dass mit seiner Großzügigkeit auch ein Bestimmungsrecht einhergeht. Natürlich nicht bewusst, aber er erwartet doch schon eine gewisse Dankbarkeit von Michelle und geht ganz selbstverständlich davon aus, das sie die gleichen Vorstellungen hat wie er.
      Die Interpretation des Titels ist auch spannend. Ich lese es so, dass Henry nur die zweitgrößte Liebe ist und Michelle sich selbst an erste Stelle setzt (you Go Girl!) oder man könnte es auch so lesen, dass die Liebe oft nicht ausreicht um im Alltag gegen finanzielle und Klassenunterschiede zu bestehen.
      Was sind deine Gedanken zum Titel?

      1. Avatar von Lieselotte Loewenherz
        Lieselotte Loewenherz

        Jaa, genau so verstehe ich den Titel auch, aber tatsächlich auf beide bezogen: sie sind sich selbst an erster Stelle. Michelle, indem sie ihre Grenze zieht und sich für ihren eigenen Lebensweg entscheidet und Henry wiederum, weil es ihm letztlich auch nur um sich selbst geht, in der Annahme, er wisse es besser.

        Jetzt habe ich aber doch mal recherchiert und in einem Interview sagt die Autorin selbst: „Die Vorstellung von der einen großen Liebe, die alles heilt und ganz von allein funktioniert, ist eine Illusion.“

        Und das passt ja sehr gut zu deiner zweiten Lesart. Dass es weniger um eine Rangfolge von Liebesbeziehungen geht, sondern eher um die Bedeutung und die Erwartungen, die damit einhergehen.

        Toller Titel! Und wie schön, sich darüber mal austauschen zu können! 🙂

        1. Avatar von Burnerdano

          Interessant! Danke für das Zitat der Autorin, finde, das fasst den Roman so gut zusammen eigentlich. Thomas ist wirklich eine super spannende Schriftstellerin und ich bin wirklich super gespannt, was als nächstes von ihr kommt 🧡!
          Danke für den schönen Austausch ☺️ (hab ich hier selten auf dem Blog).