„Dorf ohne Franz“ erschien bereits 2024 als Hardcover beim unabhängigen österreichischen Septime Verlag und ich habe seither viele positive Rezensionen über das Romandebüt von Verena Dolovai gelesen. Jetzt hat sich Penguin Random House die Rechte gesichert und „Dorf ohne Franz“ als Taschenbuch bei Blessing herausgegeben. Meine Gelegenheit den Roman endlich zu lesen.
Die österreichische Autorin Dolovai erzählt darin aus der Ich-Perspektive die Geschichte von Maria, die in den 60er Jahren in einem sehr provinziellen Dorf im Salzkammergut aufwächst.
In dem kleinen Dorf ist von der Rebellion gegen Althergebrachtes, die diese Generation global erfasste, nichts zu spüren. Die, die das Dorf aus finanziellen oder anderen Gründen nicht verlassen können, führen die Lebensrealität und das Rollenverständnis ihrer Eltern nahtlos weiter. Und das sieht für Mädchen auf keinen Fall eine höhere Schulbildung vor, sondern eine frühe Ehe und Kinder.
So auch für Maria. Doch ihre Männerauswahl ist begrenzt, sie schwankt zwischen zwei Kandidaten, und selbst diese Wahl wird ihr abgenommen, als sich Kandidat Nummer eins für ihre Freundin entscheidet. So bleibt für Maria nur noch Toni übrig, der schon vor der Hochzeit zu viel trinkt und auch beruflich keine guten Aussichten mitbringt. Nach der Hochzeit wird Maria schwanger und bekommt eine Tochter. Und so gehen die Jahre dahin.
Dorf ohne Franz – eine prägende Abwesenheit
Nur der sensible Franz, Marias kleiner Bruder, der nie so recht dazugehört hat, verschwindet sobald er erwachsen ist aus dem Dorf und blickt nie mehr zurück.
Dolovai schreibt die Geschichte ganz in Marias eigener, einfachen, aber nie naiven Erzählstimme, dich ich sehr berührend und authentisch finde.
Und an Marias Geschichte macht Dolovai eindrücklich deutlich, wie krass die dörfliche patriarchale Struktur die unbezahlte Arbeitskraft von Frauen ausbeutett und sie kleinhält. Und nicht nur Marias Arbeitskraft wird ausgebeutet, auch ihre Liebe, die sie großzügig an ihren Mann und ihre Tochter verschenkt, wird genommen und als selbstverständlich verwertet. Sie selbst tritt als Persönlichkeit mit eigenen Wünschen und Träumen völlig in den Hintergrund. Maria nimmt dieses Missverhältnis wahr, ohne daran zu verbittern, aber auch ohne Perspektive daran etwas zu verändern.
Das fand ich in „Dorf ohne Franz“ sehr eindrücklich und emotional herausgearbeitet. Etwas schade fand ich, dass der Klappentext praktisch die komplette Romanhandlung direkt bis zur Pointe auf der letzten Seite vorwegnimmt. Und auch wenn ich den Schluss mit den wundervollen Naturbeschreibungen, die Marias innere Reise und Entwicklung widerspiegeln, sehr gerne gelesen habe, hätte ich mir für Maria doch das Glück völliger Unabhängigkeit ohne neuen Mann gewünscht.
Jetzt bin ich wirklich gespannt auf Dolovais zweiten Roman, der meiner Recherche nach bereits als fertiggestelltes Manuskript vorhanden ist und hoffentlich auch veröffentlicht wird.
Vielen lieben Dank an den Blessing Verlag von Penguin Bücher für das gewünschte Rezensionsexemplar. Danke und noch viel Erfolg an Verena Dolovai für ihren Roman!




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