Der Klappentext von „Irgendwann verglüht die Sonne“ klingt, als wäre der Debütroman von Andrea Profetto ein klassischer Coming-of-Age-Roman. Und das ist er in gewisser Hinsicht auch. Aber er erzählt auch eine Geschichte, die weit über die üblichen Probleme des Erwachsenwerdens hinausgeht.
Aber erst mal klingt alles vertraut. Nora und Carla sind Schwestern, die mit ihrer Mutter Monika und deren Lebensgefährten Matthias zusammen in einer kleinen Wohnung leben. Die beiden Teenagerinnen beschäftigen auf dem Weg in die Erwachsenenwelt die üblichen Dinge: Freundschaften, erste Verliebtheit, Body Issues, Partys und Schule. Vor allem Carla ist gerade dabei herauszufinden, ob sie vielleicht gar nicht so wie ihre Freundinnen auf Jungs steht, sondern auf Mädchen.
Nora wirkt verloren und kämpft mit ihrem Körperbild, das sich in einer Essstörung äußert. Obwohl sie sexuelle Kontakte hat, lässt sie niemanden wirklich an sich heran.
Carla und Nora sind sich nahe, doch Carla spürt, dass ihre Schwester irgendetwas belastet. Da ist etwas, das sie nicht greifen kann, ein Geheimnis, das zwischen ihnen steht… Währenddessen ist Mutter Monika mit ihrer Beziehung zu Matthias und ihrem beruflichen Neustart beschäftigt.
Irgendwann verglüht die Sonne – wo sind wir dann?
Andrea Profetto erzählt ihren Debütroman aus den schnell wechselnden Perspektiven von Carla, Nora und Monika, was mich förmlich durch die Kapitel fliegen lässt. Relativ schnell wird mir klar, was Nora so belastet, aber nicht die Ausmaße der Risse, die sich durch diese Familie ziehen.
Profetto findet einen sensiblen und einfühlsamen Ton, um das Schweigen zu beschreiben, das die Frauen in dieser Familie belastet und voneinander trennt. Dabei wird sie nie zu konkret, was den Roman in meinen Augen auch für jüngere Leser*innen sehr lesbar und empfehlenswert macht (ich denke dabei an den aufwühlenden und intensiven Roman „Siebenmeilenherz“ von Katharina Winkler, den ich nicht ohne Weiteres an bereits vorbelastete Menschen weiterempfehlen würde).
„Irgendwann verglüht die Sonne“ zeigt, wie viel Mut und Kraft es kostet, das Schweigen und die Scham zu überwinden, die doch immer nur den Tätern nützen.
Ein vielversprechendes Debüt der jungen Stuttgarterin, die laut ihrem Instagram Account erfreulicherweise bereits an ihrem zweiten Roman arbeitet.
Vielen lieben Dank an den Hoffmann Und Campe Verlag für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Andrea Profetto für ihren Roman!





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