Teresa von Ávila (1515–1582) war eine spanische Mystikerin, Nonne, Reformatorin und Autorin, die im 16. Jahrhundert tief in die katholische Spiritualität eingewirkt hat. Sie setzte sich radikal gegen patriarchale Machtstrukturen, kirchliche Dogmen und Konventionen zur Wehr. In ihrer Autobiografie Buch des Lebens zählt sie nicht nur mystische Erlebnisse. Sondern sie macht auch die totale Abhängigkeit der Frauen, sexuelle Demütigungen und Gewalt in dieser Epoche sichtbar. Es war der erste Text, der autobiografisch erzählte und damit den Grundstein für ein ganzes Genre legte.
Letzte Tage mit Teresa von Ávila – ein doppeldeutiger Titel?
Cristina Morales beschäftigt sich in ihrem Roman Letzte Tage mit Teresa von Ávila mit dieser Figur aus einer feministischen Perspektive: Sie lässt Teresa als „zornige, kluge, verletzliche und kämpferische“ Frau und Rebellin sprechen, die sich gegen Kirche, gegen die Männerwelt und gegen die eigene Familie behauptet. Manche Passagen, in denen Teresa die Gewalt von Männern an Frauen anprangert, erschrecken mich auch heute noch als moderne Leserin. Und als Feministin bin ich stolz darauf, wie klar Teresa die Männer als Täter benennt und verurteilt.
Morales beschreibt, wie Teresa sich allmählich immer mehr als Schreibende identifiziert, die sich gegen die Inquisition zur Wehr setzt und Schreiben als Widerstandsform begreift.
Der Roman ist kein historischer oder biografischer Roman. Morales hat auf Grundlage der bekannten Daten und Schriften von und über Teresa fiktive Briefe Gespräche und innere Monologe erstellt. Sie sollen die Mystikerin wieder lebendig werden lassen.
Für mich hat das leider nur bruchstückhaft funktioniert. Das lag vermutlich an meiner eigenen Unfähigkeit, dem Text längere Zeit zu folgen. Mir fehlt das grundlegende historische Verständnis der Umstände von Teresas Leben komplett. Ich konnte die vielen Personen nicht zuordnen und war vor allem mit den Passagen von Kloster-, Glaubens-, und Familienpolitik ziemlich überfordert.
Auch das Nachwort von Cristina Morales und die Anmerkungen zu der Juan Marsé gewidmeten Ausgabe und die Notiz zur zweiten Ausgabe halfen mir nicht, da ich sie ebenfalls nicht einordnen konnte.
Nach dem wesentlich zugänglicheren Roman „Das Buch Mechthild“ von Julia Kroll hatte ich eigentlich Gefallen an Literatur über Mystikerinnen gefunden. Aber das hat mir beim Zugang zu „Letzte Tage mit Teresa von Ávila“ nicht geholfen.
Vielen lieben Dank an den Matthes & Seitz Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Cristina Morales für ihren Roman!
Aus dem Spanischen von Friederike von Criegern.




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