“Es ist an der Zeit, Gewalt gegen Frauen als das zu benennen, was sie ist: ein Männerproblem. Mit diesem Buch versuchen wir, Antworten auf die Frage zu finden, weshalb Männer Frauen Gewalt antun. Warum sie sie töten, warum sie vergewaltigen.”
Ich habe schon viele Bücher und Romane zu dieser Frage gelesen. Meine persönliche, plakative und sehr verkürzte Antwort darauf ist: Männer tun es, weil sie es können.
“Wir leben also in einer Zeit, in der sich Männer sicher genug fühlen, Frauen vor Überwachungskameras spitalreif zu prügeln.”
Wenn du dir die Nachrichten anschaust, findest du noch sehr viel mehr Beispiele, für was sich Männer sich alles sicher fühlen. Die sexistischen Beleidigungen und Abwertungen von Frauen vor den Augen Millionen von Menschen von einem der mächtigsten Männer der Welt sind dabei nur das Fundament einer Pyramide, an deren Spitze dann die Gewalt und letztendlich die Ermordung von Frauen steht.
In „Niemals aus Liebe“ untersuchen die Autorinnen Miriam Suter und Natalia Widla, die schon das Buch „Hast du Nein gesagt – Vom Umgang mit sexualisierter Gewalt“ veröffentlicht haben, welche psychologischen und gesellschaftlichen Mechanismen die Gewalt an Frauen fördern. Sie beziehen sich dabei hauptsächlich auf die Schweiz, in der alle zwei Wochen eine Frau von ihrem Ehemann, Lebengefährten oder Ex-Partner getötet wird. In Deutschland passiert das jeden zweiten Tag.
Die beiden Journalistinnen sprechen dafür mit Fachpersonen aus Justiz, Politik und Psychologie und ergänzen die Theorie mit konkreten und aktuellen Fallbeispielen aus der Justiz und der Forensik.
Auch wenn mir einige theoretische Grundlagen wie das 8 Stufen Modell nach Dr. Jane Monckton Smith, jetzt nicht unbedingt neu sind, finde ich die Mischung mit den Gesprächen und Interviews super gelungen und bereichernd.
“Niemals aus Liebe“
Der Fokus des Buches liegt klar bei den Tätern, ihrer Innenwelt und den Motivationen für die Tat. Aber auch auf den Möglichkeiten zu präventiven und kurativen Maßnahmen.
Die Perspektive der Täter, die Suter und Widla zu Wort kommen lassen, finde ich sehr interessant. Interessant finde ich auch die Parallele zu dem Buch von Manon Garcia „Mit Männern leben“, in dem sich die Philosophin mit dem Fall Pelicot auseinandersetzt. In beiden Büchern wird gut herausgearbeitet, wie groß die emotionale Stumpfheit von Männern in Bezug auf Consent ist und wie wenig ihnen diese Konzept überhaupt bekannt ist. Oder das es ihnen einfach egal ist.
Ich finde auch, alleine die Tatsache, dass ich, eine Frau, zu diesem Buch gegriffen habe, ist irgendwie ein Symptom dessen, wie Verantwortung in unserer Gesellschaft falsch verteilt ist und letztendlich Männer zu potentiellen Täter gegenüber Frauen macht.
Es sind die Männer, die Arbeit machen müssen, die sich ihrer Privilegien bewusst werden sollten und sich von patriarchalen Strukturen emanzipieren könnten.
“Täterarbeit ist Opferschutz. Wir schreiben dieses Buch daher für euch. Für Männer, die dieseArbeit machen wollen. Als Journalistin schreibt man aber auch immer für diejenigen, die keine Stimme haben. Oder vielmehr: keine mehr. Wir schreiben dieses Buch also auch für die Frauen, für die jede Hilfe zu spät kam.”
Ich empfehle „Niemals aus Liebe“ deswegen an alle Leser*innen weiter, egal ob aus der Schweiz oder nicht. Mich hat es betroffen gemacht und sehr bereichert.
Danke und viel Erfolg an Miriam Suter und Natalia Widla für ihr Buch und ihre weitere Arbeit.
Erschienen 2025 beim unabhängigen Schweizer Limmat Verlag.




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