Nach dem Beenden von „Sicheres Haus“ hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Ladas Geschichte, die sie sich selbst aus dem Gefängnis heraus erzählt und somit auch mir, hat mich sehr bewegt und unendlich traurig gemacht.
Denn Lada erlebt in ihrer Ehe viele Jahre partnerschaftliche Gewalt und sie ist nicht in der Lage, sich zu trennen. Das ist die Geschichte vieler Frauen und sie finden in zu vielen Fällen ein gewaltsames Ende. Die Zahl an Femiziden ist in Kroatien, dem Heimatland der Autorin Vujčić, so hoch, dass das Land den Femizid als eigenständigen Straftatbestand ins Strafgesetzbuch aufgenommen hat. Anders als bis jetzt in Deutschland.
Doch in „Sicheres Haus“ verhindert Lada ihren Femizid, indem sie ihren Mann in Notwehr tötet. Dafür sitzt sie jetzt mehrere Jahre im Gefängnis und kann ihre kleine Tochter nicht aufwachsen sehen.
Ihre Mutter und ihre Schwester haben sich angesichts dieser ungeheuerlichen Tat von ihr abgewendet.
„Normalerweise ist die Frau das Opfer, aber sie ist nur dann das Opfer, wenn sie tot ist.“
Vujčić arbeitet diese Ungeheuerlichkeit deutlich heraus. Lada wird von der Gesellschaft, ihrer Familie und letztendlich auch vom Gericht dafür verurteilt, dass ihre Geschichte nicht wie üblich geendet hat und ihr Mann, ein angesehener Universitätsprofessor, jetzt tot ist.
Auch Lada selbst empfindet ungeheurer Schuldgefühle und geht in Gedanken in ihrer Ehe zurück, an den Beginn der Gewalt.
Wo und was ist ein „sicheres Haus“?
Was als Liebesgeschichte begann, wird schnell zu einer Beziehung, in der nur noch einer Kontrolle und Macht ausüben kann. Am Anfang ist es nur die Kleidung, die Lada nicht mehr selbstständig auswählen darf, später gibt sie ihren Beruf auf, der ihrem Mann Grund für Eifersucht gibt. Wenn Lada sich nicht den Wünschen ihres Partners fügt, verleiht er seinen Worten auch mit körperlicher Gewalt Nachdruck. Mehrmals versucht Lada, ihn zu verlassen, aber niemand glaubt ihr, dass hinter dem freundlichen Gesicht des Professors auch ganz andere Seiten stecken.
Mit dreisten Lügen und schließlich einer Schwangerschaft hält er Lada fest in seinem Griff und die Spirale aus Kontrolle, Demütigungen und Gewalt spitzt sich immer mehr zu.
Ich finde die Schilderungen dieser Ehe sehr nachvollziehbar und bedrückend und auch Lada erkennt im Rückblick viele der Manipulationen und des Missbrauchs. Sie schwankt zwischen Selbstvorwürfen und Rechtfertigungen und findet Trost und Gemeinschaft bei den anderen inhaftierten Frauen. Sie fragt sich oft, ob es einen anderen Ausweg gegeben hätte.
“Denn wenn du das Szenario, dass du ein totes Opfer hättest sein können, gegen das abwägst, dass du eine Mörderin geworden bist, gibt es kein gutes und kein gerechtes Ergebnis.”
Vujčić hat für ihren neuen Roman Täter- und Opferbilder in der medialen Darstellung untersucht und unter anderem mit Frauen im Strafvollzug gesprochen.
Das Ergebnis ist ein äußerst eindringlicher und auch fesselnder Roman, den Vujčić nicht nur als literarischen Fall betrachtet wissen will, sondern als Realität, die uns alle betrifft.
Vielen lieben Dank an den Residenz Verlag für das sehr gewünschte Rezensionsexemplar.
Aus dem Kroatischen von Mascha Dabić




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