Aus den Niederlanden kommt ja, wie du bestimmt weißt, immer wieder die spannendste Literatur und aufregendsten Neuerscheinungen. Der Debütroman „Zähe Hunde“ von Falun Ellie Koos ist so eine Entdeckung und wurde bereits für eine Vielzahl an Preisen nominiert.
Die Ich-Erzählerin Ada in Koos Roman ist gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Broos in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen. Ihre Mutter, die mit Ada bereits als 17-Jährige schwanger geworden ist, ist schon früh bei einem Autounfall gestorben. Und ihr verbitterter Vater zieht die beiden Kinder in einem Wohnwagen in einem Trailerpark groß. Dabei geht er nicht besonders liebevoll vor, sondern will seinen Kindern das Recht des Stärkeren lehren. Und natürlich sollen Ada und Broos zu den Stärkeren gehören.
Während die Erzählerin die Vorstellung ihres Vaters stark internalisiert und hart und kämpferisch wird, ist der sensible Broos mit den Anforderungen seines Vaters überfordert. Er schlägt einen zerstörerischen Weg ein.
Auf einer anderen Erzählebene ist Ada mittlerweile eine junge Frau und hat es mit Hilfe einer Freundin geschafft, den Trailerpark hinter sich zu lassen und Kunst zu studieren. Aber innerlich hat sie der Wunsch nach der Anerkennung ihres Vaters nie losgelassen. Und in der intellektuellen Welt ihrer Freundin und der Kunststudierenden fühlt sie sich fehl am Platz. Spontan lässt sie alles hinter sich und reist nach Galizien in eine ehemalige Künstlerresidenz. Dort, in der kargen Abgeschiedenheit lebt und arbeitet sie zusammen mit dem alten Molina und seinen Hunden.
Wer definiert sich als „Zähe Hunde“?
In der Einfachheit dieses Lebens kann sie zum ersten Mal ihre Gedanken sortieren und ordnen.
Ich muss sagen, es gibt in dem Roman, der mir wirklich sehr gut gefallen hat, ein paar Plotlines, die so wahrscheinlich nur am Reißbrett für einen modernen Roman und weniger in der Realität möglich sind. Aber das fällt gar nicht weiter ins Gewicht, weil Koos die Geschichte mit den wechselnden Erzählebenen wirklich zu einer runden Sache macht, die nie unglaubwürdig ist.
Koos lässt die Erzählerin Ada ihre Geschichte direkt an ihren Bruder, an ein Du addressieren, was mir eigentlich immer sehr gut gefällt.
Ich mag auch diese Kombination von Härte und leiseren, fast zarten, Momenten, die Koos einander gegenüberstellt besonders gerne. Ich kann beim Lesen spüren, wie Ada, deren Härte ihr in der Kindheit ihr Überleben sicherte, allmählich weicher wird. Und wie sie in dieser Ruhe und mit Hilfe der Hunde ihr Mitgefühl entdecken kann.
Eine mögliche Geschlechtsdysphorie bei Ada wird zwar ganz dezent angedeutet. Aber Koos geht diesen Pfad nicht entlang, sondern belässt es bei subtilen Hinweisen.
Wirklich ein tolles Debüt, das sehr gespannt auf den nächsten Roman von Falun Ellie Koos macht.
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Vielen lieben Dank an die Aufbau Verlage für das Rezensionsexemplar mit dem wunderschönen und geheimnisvollen Cover. Danke und viel Erfolg an Falun Ellie Koos für den Roman!





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