Der Debütroman „Schlaglicht“ der amerikanischen Schriftstellerin hatte mich ziemlich begeistert. Ich fand ihn innovativ erzählt, spannend und ungewöhnlich. Und scheinbar ging das nicht nur mir so, denn der Aufbau Verlag hat jetzt Bullwinkels Kurzgeschichtenband „BELLY UP“ von 2018, für den die Autorin mehrfach ausgezeichnet wurde, übersetzen lassen und verlegt. Ja natürlich hätte ich lieber einen neuen Roman gehabt, aber mit den Stories bin ich auch erst mal glücklich.
Mir haben die 17 Geschichten des Bandes wirklich sehr gut gefallen und sie zeigen eindrucksvoll, warum Bullwinkel als eine der interessantesten Stimmen der jungen amerikanischen Literatur gilt.
Wie schon in „Schlaglicht“ glänzt Bullwinkel in „BELLY UP“ mit ihrer genauen Beobachtungsgabe und ihrem Gespür für die dunklen Abgründe hinter dem amerikanischen Alltag. Dabei nutzt sie in den Kurzgeschichten die Freiheit, die dieses Format bietet, um sich von diesem Alltag weit ins Surreale zu bewegen.
“Als meine Tochter in die Pubertät kam, war die Wirtschaft so im Keller, dass es billiger war, jemanden zu beschäftigen, der ihre Brüste hoch hielt, als ihr einen BH zu kaufen.”
Keine Pointe, sondern der erste Satz und die Ausgangsbasis einer kurzen Geschichte mit dem Titel „In Deckung“. Das ist allerdings nicht eine meiner Lieblingsgeschichten gewesen, sondern mir gefielen besonders die, die noch düsterer und abseitiger sind. So spielen in auffallend vielen Stories lebende Untote in Form von Geistern oder Zombies eine Rolle.
Belly Up – eine spannende Mischung
Vom Ton her sind einige Geschichten märchenhaft erzählt wie beispielsweise das großartige „Arme hoch“ über zwei Freundinnen in der Pubertät, die sich mit Parthenogenese und Kannibalismus auseinandersetzen, oder das sehr kurze und etwas abstrakte „Was Mädchen gebaut“.
Tatsächlich wollte ich hier nach einer Kurzgeschichte immer gleich mit der nächsten weiterlesen. Sie sind unterhaltsam und regen mit ihren rätselhaften Absurditäten zum Nachdenken an, sind aber nicht so anspruchsvoll oder stilistisch fordernd, dass ich Pausen gebraucht hätte.
Da das dieses Jahr mein erster Band mit Kurzgeschichten war, ist es schlichte Tatsache, dass es bis jetzt der Beste war. Aber auch alle noch eventuell folgenden Sammlungen müssten jetzt schon verdammt gut sein, um „BELLY UP“ noch zu überholen.
Umso mehr hoffe ich jetzt auf einen baldigen neuen Roman dieser spannenden amerikanischen Autorin!
Vielen lieben Dank an die Aufbau Verlage für das tolle Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg für die deutsche Ausgabe ihrer Stories an Rita Bullwinkel!
Aus dem Amerikanischen von der Schriftstellerin Christiane Neudecker





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