Ich muss sagen, ich bin dann doch geschockt vom Schluss des Romans. Obwohl eigentlich schon auf der ersten Seite von „O Caledonia“ erzählt wird, was passieren wird. Am Schluss wird die 16-jährige Protagonistin Janet tot sein, und zwar ermordet.
Und irgendwie ist auch niemand so wirklich traurig über den Tod des Mädchens, nicht einmal ihre Familie, weil Janet war schon immer „komisch“. Sie hat Bücher gelesen, sich um verletzte Tiere gekümmert und sich irgendwie nie so richtig in die Gesellschaft eingefügt.
Kein Wunder, dass sie ermordet wurde.
“sie gaben allem und jedem die Schuld, doch am Ende herrschte grimmiges Einvernehmen: » Das Mädel ist ganz allein selbst schuld. «”
Aber was geschah? Wer war diese Janet? In „O Caledonia“ erzählt die schottische Autorin und Journalistin Elspeth Barker (1940-2014) vom Aufwachsen eines sensiblen und hochbegabten Kindes im abgelegenen Norden Schottlands. Die jungen Janet mag die Natur und ihre exzentrische Tante Lila und ist leider ein Mädchen, was ihr nach der Meinung ihrer Familie und der Gesellschaft natürliche Beschränkungen mitgibt. Sie bekommt eine gute Schulbildung und liebt das Lernen und den Unterricht. In Büchern findet sie eine Zuflucht und kann dort dem begrenzten Horizont ihres Elternhauses entkommen. Janet wächst in einer großen Geschwisterschaft relativ unbeachtet auf, für Fehlverhalten bezieht sie Prügel. Je älter sie wird, desto weniger kann sie sich den gesellschaftlichen Anforderungen entziehen.
„O Caledonia“ erschien in der Originalausgabe 1991. Und ist jetzt, gemeinsam mit einem Vorwort der Schriftstellerin Maggie O’Farrell, auf Deutsch erschienen. Die Handlung selbst spielt in Schottland in den 40er und 50er Jahren nach dem zweiten Weltkrieg und ist eine typische Coming-of-Age Erzählung.
O Caledonia – düsteres Schottland
Besonders finde ich allerdings, wie Barker bekannte düstere Gothic Motive, wie ein einsames schottische Schloss oder den schwarzen Vogel, benutzt, um den Grusel und die Einsamkeit eines weiblichen Erwachsenwerdens zu unterstreichen.
Ich würde den Roman definitiv als feministisches Buch bezeichnen. Auch wenn er natürlich nicht mit zeitgenössischen female rage and empowerement Plots vergleichbar ist. Aber ich sehe in Janet durchaus eine empowered Heldin, denn sie wehrt sich gegen die Übergriffe von Männern, ohne deren Verhalten überhaupt als grenzüberschreitend einorden oder gar benennen zu können.
Besonders frappierend finde ich, dass Barker einen sehr lakonischen-leichten Erzählstil verwendet, der dann umso mehr mit den geschilderten Vorfällen und Ereignissen kontrastiert. Barker beschreibt ein Aufwachsen in einem Setup, in dem den Kindern der Familie ihre Gefühle und Persönlichkeit abgesprochen werden. Und ihre innere und äußeren Verletzungen einfach übergangen werden.
Toll finde ich auch, dass der Roman mit einem Vorwort der Schriftstellerin Maggie O‘Farrell kommt, die ich sehr schätze und die auch Elspeth Barker noch sehr persönlich gekannt hat und von ihr erzählt.
Für Leser*innen von ungewöhnlichen feministischen Stoffen und von schwarzer düster angehauchter Gothic Atmosphäre eine dringende Empfehlung.
Vielen lieben Dank an den Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem wunderschönen Cover.
Deutsch von Verena von Koskull





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