„Letztendlich war es die Einsamkeit, die uns zueinanderführte und miteinander verband.“
Arthur Opp ist einsam. Mehr noch. Arthur Opp ist nicht nur einsam, Arthur Opp hat seit einem Jahrzehnt das Haus nicht verlassen und wiegt scheinbar über 250 Kilo.
Mit einigem Wehmut denkt er oft an eine junge Frau, die er vor 20 Jahren in seiner Vorlesung kennengelernt hatte und mit der er noch Jahre danach eine intensive Brieffreundschaft führte. Doch auch die ist schon lange eingeschlafen. Eines Tages ruft ihn plötzlich eben jene, jetzt nicht mehr ganz so junge Frau, an, scheinbar betrunken, und bittet ihn, sich um ihren Sohn zu kümmern.
Und das ist nicht die einzige Aufregung, die Arthurs Leben zur Zeit durcheinander bringt. Seine junge Reinigungskraft Yolanda bringt neuen Wind (und Sauberkeit) in sein Leben.
In einem zweiten Erzählstrang hat der junge Kel Keller ganz andere Probleme. Seine alleinerziehende Mutter ist seit längerem alkoholkrank und er hat große Schwierigkeiten auf seiner neuen Schule. Dabei kämpft er als Sporttalent um die Chance auf eine Sportkarriere, die ihm zu einem besseren Leben für sich und seine Mutter verhelfen soll. Doch es kommt anders…
Okay, also natürlich ist „Der andere Arthur“ ein ganz wunderbarer und herzerwärmender Roman, der völlig zurecht seine Leserschaft begeistert. Es muss ein Anzeichen meiner innerlichen Verrottung und Schwärze sein, dass ich mich nicht so recht für die liebenswerten Figuren aus Brooklyn begeistern kann. Mir fehlt in den Figuren eben genau diese Verrottung und Schwärze. Moore legt ihre beiden Arthurs und die Nebenfiguren trotz ihrer schweren Lebensbedingungen derart knuffig und liebenswert an, dass ich den Roman wirklich als Wohlfühlroman einstufen würde. Besonders die junge Yolanda und Kels Freundin Lindsay mit ihren unkomplizierten Pick-me-Girl-Vibes gehen mir ziemlich auf die Nerven. Bei dem adipösen Arthur liegen offensichtlich schwerwiegende psychische Probleme vor, aber die muntere Yolanda erreicht mit selbst gemachten Obstsalat und einem Spaziergang gleich eine tiefgreifende Veränderung?
Wer ist der andere Arthur?
Einsamkeit ist ein großes und reales Problem in unserer Gesellschaft, und meine defätistische Einstellung zu Obstsalat und Spaziergängen hilft da natürlich auch niemanden weiter und bewirkt keine Veränderung. Moore zeigt durchaus in ihrem Roman, wie schwierig es ist, auf andere zuzugehen und um Hilfe zu bitten. Doch ich glaube, dass es noch unermesslich schwieriger wird, wenn, anders als in Moores Roman, niemand helfen will oder kann, sondern schon mit eigenen Problemen genug beschäftigt ist.
So sehe ich es als sehr hoffnungsvolles Zeichen, wenn ein Roman wie „Der andere Arthur“ auf so viel positive Resonanz stößt.
Mir persönlich drängt sich aber aber als Zynikerin der Verdacht auf, dass sich Moore nach dem doch ziemlich düsteren Thriller „Long Bright River“, der mir wesentlich besser als ihre beiden darauffolgenden Romane gefallen hat, sich in eine kommerziell lohnendere Richtung entwickeln wollte.
Was denkst du?
Vielen lieben Dank an den C.H. Beck Literaturverlag für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Liz Moore für ihren neuen Roman.
Aus dem Englischen von Cornelius Hartz
‼️ Nachtrag: Dank eines Hinweises in den Kommentaren weiß ich jetzt, dass mein unbedacht geäußerter zynischer Verdacht jeglicher Grundlage und entbehrt und absolut ungerechtfertigt ist, da „Heft“, wie „Der andere Arthur“ im Original hieß, bereits 2012 erschien (vielleicht sollte ich an meinem Mindset arbeiten …oder besser recherchieren…)




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