Dreiundsiebzig Quadratmeter Fläche hat die Wohnung von Mutter.
Mutter ist jetzt tot.
Und die Erzählerin bleibt alleine in der Wohnung zurück mit den Dingen der Mutter.
„Ihren Dingen, die in ihrem Leben so viel Raum eingenommen haben, mir den Raum weggenommen haben. Begreifen will ich sie, die Dinge selbst und Mutters Liebe zu den Dingen, ein untrennbarer Teil von ihnen. Will ich. Werden. Will“
Der Ausschnitt verrät es schon: Der neue Roman von Isabella Feimer dreht sich um eine komplexe Mutter-Tochter-Beziehung und ist feinste Sprachkunst.
Bereits mit „Wir könnten Dschungel sein“ hat mich Feimer mit ihrer bildhaften, lyrischen und anspruchsvollen Literatur fasziniert. Und das gelingt ihr auch diesmal wieder.
Ich weiß nicht, ob ich den Roman als „Body Horror“ beschreiben würde, wie es der Klappentext tut. Aber die Art, wie die tote Mutter noch immer in der Wohnung lauert und die Tochter vereinnahmt, weckt bei mir starke Assoziationen mit Hitchcocks „Psycho“.
Was findest du auf Dreiundsiebzig Quadratmeter?
Die Erzählerin versucht sich in der Wohnung der Mutter gleichermaßen, sich vom Wesen der Mutter zu emanzipieren, wie in sie einzudringen und zu übernehmen. Zweifellos ein gruseliger und trauriger Kampf, den Isabella Feimer in poetischen Worten und Bildern auf das Papier bannt.
Als wiederkehrende lyrische Bilder und Motive nutzt Feimer Märchen wie das Hässliche Entlein und Dornröschen. Der Roman steigert sich langsam und kumuliert dann Zeilen, die ich als so intim und mich persönlich ansprechend empfinde, dass ich sie hier gar nicht teilen oder zitieren mag.
Zeilen, die mich große Verletzlichkeit fühlen lassen, Zeilen, die mich angreifen und traurig werden lassen.
Was Feimers Roman von vielen anderen Mütter-Töchter-Geschichten unterscheidet, ist seine Dunkelheit und stark poetische Ausarbeitung. In dem düsteren Text lese ich wenig von Erlösung und Vergebung. Die Annäherung zwischen Mutter und Tochter geschieht hier auf wesentliche andere, abgründigere Art, die Feimers Roman einzigartig macht.
Und natürlich sehr empfehlenswert für Leser*innen, die das Besondere suchen.
„und es war einmal ein Himmel
der einen Riss hatte einen,
der sich langsam weitete“
Ein großes Dankeschön an den unabhängigen Haymon Verlag für das schöne Rezensionsexemplar.
Danke und viel Erfolg an Isabella Feimer für ihren neuen Roman!





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