Pina fällt aus von Vera Zischke

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Pina fällt aus Vera zischke

Denn Romane mit vom Schicksal zusammengewürftelt Zweckgemeinschaften aus schrägen Vögeln, die sich dann doch irgendwie weiterentwickeln und sich am Ende dann zusammenraufen, gab und gibt es wahrscheinlich wie Sand am Meer. Und zwar von der Boho-Variante bis zur hollywoodfilmreifen Version.

Den Roman würde ich auf jeden Fall zu den filmreifen Versionen zählen, und es war die absolut richtige Entscheidung, wieder auf die Erzählkraft von Vera Zischke zu vertrauen, denn „Pina fällt aus“ hat mich begeistert und komplett emotional abgeholt!

Die drei schrägen Vögel sind in diesem Fall, die 18- (eigentlich 16-) jährige Schulabrecherin Zola, der kristalltiersammelnde Einzelgänger Wojtek und die über 80-jährige Inge, die ihre Wohnung seit Jahren nicht mehr verlassen hat.

Sie wohnen in dem Mietshaus in der Hansastrasse und haben ein Problem: sie müssen sich plötzlich um Leo kümmern, nachdem seine Mutter Pina mit einem ernsten Magendurchbruch ins Krankenhaus gekommen ist. Der junge Mann, der in einer Behindertenwerkstatt arbeitet, ist nicht in der Lage seinen Alltag alleine zu bewältigen und kann seine Bedürfnisse nur schwer anderen gegenüber kommunizieren.

Leo ist nicht ganz „normal“. Und damit ist er nicht alleine in dem Haus in der Hansastrasse.

Was ist schon „normal“?

Aber was ist schon „normal“?

“Vielleicht gibt es keine Normalität. Vielleicht wird ganz schön viel Mist im Namen dieser Normalität gemacht, weil alle so furchtbar viel Angst davor haben, nicht normal zu sein.”

In meiner analogen Bubble gilt man teilweise schon als nicht mehr normal, wenn man dienstags noch die Mülltonne vor dem Haus stehen hat, obwohl die Müllabfuhr schon am Montag da war.

Aber eigentlich ist es so, wie die wütende Zola sagt: Es ist alles scheißegal. Niemand interessiert es, wie es dir wirklich geht und ob du vielleicht gerade Hilfe brauchst. 

So wollen auch, typischerweise die Männer mit Geld in der Geschichte, Leo – das Problem – gleich wegorganisieren. Mit dem nötigen Kleingeld und den entsprechenden Verbindungen ist ein Heimplatz schnell organisiert. 

Boah, ja, ich liebe es ja eigentlich sonst, die zynischsten und düstersten Bücher zu lesen, aber eigentlich kann ich mich so zynisch gar nicht so gut leiden und möchte keine Menschenhasserin sein. 

Oft machen mich Bücher, in denen Menschen “nett” zueinander sind, noch viel zynischer und aggro und ich denke dann: „Ja genau, als ob“ (in so einem hämischen, hässlichen Tonfall).

In Vera Zischkes Roman geht es genau darum und um diese negative Einstellung. 

“Die Frage lautet: Diese soziale Kälte, von der alle reden. Bin das vielleicht auch ich?”

ICH bin ja selbst Teil von unserer Gesellschaft und könnte auch etwas verändern, wenn ich nur genau hinschauen und mich trauen würde.

Zusammen ist man weniger allein

Die Figuren in dem Haus in der Hansastrasse haben keine außergewöhnlichen Fähigkeiten, sondern sind mit ihren eigenen Problemen und Prägungen voll ausgelastet. Und trotzdem haben Zola, Inge und Wojtek, und natürlich auch Leo und Pina, sich aus ihrem Schneckenhaus getraut und was ganz Tolles geschaffen: nämlich echte Gemeinschaft.

Und damit hat sich Zischke auch wieder in mein kleines zynisches Schneckenhaus geschrieben. 

Sicher fände ich, wenn ich den Zynikerinnen-Modus aktivieren würde, auch kleinere Kritikpunkte in diesem Roman, aber das möchte ich nach der Lektüre eigentlich gar nicht. Sondern ich möchte dir lieber erzählen, wie gut mir die gesellschaftskritischen und feministischen Untertöne gefallen, die Zischke sehr unaufdringliche einfließen lässt.

Und wie wertvoll ich die Grundaussage des Romans finde, der zeigt, „dass Inklusion keine Last ist, sondern der Weg zu einer menschlicheren und gerechteren Gesellschaft für alle.“

  • Pina fällt aus Vera zischke Klappentext
  • Vera Zischke

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