Du findest ja bei mir eigentlich sehr selten mal einen Krimi im Feed und schon gar nicht den einer Serie, die mit einem festen Ermittler*innenstamm arbeitet. Die absolute Ausnahme sind die Krimis des schwedischen Schriftstellers und Kriminologen Christoffer Carlsson. Nachdem mich der letzte Band „Wenn die Nacht endet“ als gelesenes Hardcover vielleicht nicht so ganz begeistert hatte, musste für „Hinter dem Nebel“ wieder das Hörbuch in der großartigen Lesung von Julian Mehne her.
Und tatsächlich fand ich in „Hinter dem Nebel“ wieder diese großartige Kombination aus literarischer Suspense und sehr fein beobachteten Psychostudien, die ich bei Carlsson so liebe.
Vielleicht mochte ich „Hinter dem Nebel“ auch deswegen so gern, weil Carlsson seine Handlung diesmal im Milieu und im Leben von Schriftsteller*innen ansiedelt. Seinen gewohnten Ermittler Vidar nimmt Carlsson in seinem neuen Roman komplett zurück und lässt ihn nur sehr vereinzelt als Randfigur auftreten.
Sein Erzähler ist diesmal ein älterer Schriftsteller, dessen alter Bekannter, ebenfalls ein Schriftsteller, sich überraschend in einer Pension das Leben genommen hat.
Bevor er sich an einem Balken erhängte, hatte er noch versucht den Erzähler zu kontaktieren, was aber misslang.
Sehr bestürzt über diesen Suizid, an den er nicht so recht glauben mag, beginnt der Erzähler selbst mit einigen Nachforschungen zu den Lebensumständen seines Bekannten und Freundes. Er findet schnell heraus, dass er in seinen letzten Jahren an einer Biografie der bekannten schwedischen Schriftstellerin Ingrid Klinga gearbeitet hatte und tief in die Recherche dazu eingedrungen ist. Auch der Erzähler kennt und schätzt die zurückgezogen lebende Schriftstellerin, die auf ein umfangreiches und hoch gelobtes Lebenswerk zurückblicken kann.
Hat die Arbeit an der Biografie irgendwas mit dem Selbstmord zu tun?
Was verbirgt sich „Hinter dem Nebel“?
Der Erzähler beginnt selbst, zum Leben von Ingrid Klinga nachzuforschen und stößt bald auf einige Geheimnisse in der Vergangenheit und Berichte über weit zurückliegende Todesfälle. Doch auch der Erzähler selbst ist vielleicht nicht immer ganz ehrlich zu uns Lesenden…
Carlsson ist wahrlich ein Meister darin verschiedene Erzählebenen und Zeiten ineinander zu verschachteln, so dass ein spannender Sog entsteht, der sich gegen Ende hin dramatisch verdichtet. Das zeigt er auch in „Hinter dem Nebel“ wieder in grandioser Perfektion.
Gerade als Hörbuch empfinde ich die Romane von Carlsson als großen Genuss. Ich muss auch sagen, dass die wundervolle Stimme und Leseleistung des Sprechers Julian Mehne, der bis jetzt alle Teile der Halland-Reihe eingesprochen hat, einen großen Teil dazu beitragen.
Es ist nur schade, dass es jetzt wieder eine Weile dauert, bis ein neuer Roman des schwedischen Beststellerautors erscheinen wird.
Für alle, die gerne Spannungsliteratur lesen, ist Christoffer Carlsson eigentlich ein Must-Read.
Erschienen als Hardcover beim Rowohlt Verlag. Als Audioproduktion beim Argon Verlag.
Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann




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