Ein Molka-Video ist eine illegale, heimlich gefilmte Spionageaufnahme, die intime Situationen von Menschen ohne deren Einverständnis zeigt. Molka-Kriminalität ist in Südkorea weit verbreitet und Frauen sind in der überwältigenden Mehrheit die Opfer und Männer die Täter.
Auch von Dahye, der Protagonistin in Monika Kims neuem Roman, taucht im Netz ein Video auf, das sie und ihren Freund beim Sex zeigt. Dahye vermutet, dass ihr reicher und prominenter Freund das eigentliche Ziel dieses Molka-Skandals ist und sie nur der Kollateralschaden ist. Sie hofft, dass sich ihr Freund nun endlich auch offiziell zu ihrer Beziehung bekennt. Doch weit gefehlt, es stellt sich heraus, dass sie für ihren „Freund“ nur eines von vielen Sexabenteuern ist und er eigentlich mit einer anderen Frau verlobt ist.
Dank des Schutzes seiner Familie geht er aus dem Molka Skandal unbeschadet hervor, während Dahyes Leben in Trümmern liegt.
Molka – someone is watching you!
Aber ich greif fast zu weit vor. Monika Kim nimmt sich in ihrem zweiten Roman, den sie diesmal in Seoul und nicht in den USA spielen lässt, sehr viel Zeit für die Exposition. Sie stellt die Lebensumstände, die Familiengeschichte und das Arbeitsumfeld von Dahye sehr detailliert vor. Im gleichen Büro wie Dahye arbeitet nämlich auch Junyoung, der eigentlich für die IT zuständig ist, sich während der Arbeitszeit aber lieber die Aufzeichnungen der Kameras in den Damentoiletten anschaut, die er heimlich dort versteckt hat. So weit, so widerlich.
Ich muss sagen, nach der aufregenden Lektüre von Kims Debütroman „Das Beste sind die Augen“ hat mich „Molka“ in mehrerer Hinsicht überrascht. „Molka“ ist wesentlich weniger explizit, ich würde fast sagen sogar brav, hinsichtlich drastischer Splatterszenen. Erst kurz vor dem Schluss kulminiert die Geschichte in einer Szene, die ich so bezeichnen würde. Wenn du also wieder einen Roman erwartest, der in Richtung Horror geht, wirst du enttäuscht sein. Auch die Protagonistin Dahye legt Kim sehr naiv und kindlich an. Bis sie ihre Lage und das Ausmaß der Frauenverachtung in ihrem Umfeld realisiert, dauert es in meinen Augen wirklich enervierend lang.
Wie misogyn und patriarchal die Gesellschaftsstrukturen in Südkorea (und nicht nur da) sind, konnte ich schon schmerzhaft konzentriert in „Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Cho Nam-Joo lesen, und mich erinnert „Molka“ besonders mit seinem Schluss sehr an diesen Roman.
Auf der Unterhaltungsebene konnte „Molka“ für mich leider nicht an „Das Beste sind die Augen“ anknüpfen, auch wenn beide Romane meiner Meinung nach wichtige und relevante Gesellschaftskritik enthalten.
Vielen lieben Dank an den kiwi space Verlag für das wunderschön gestaltete Rezensionsexemplar (Farbschnitt!). Danke und viel Erfolg an Monika Kim für ihren Roman!
Aus dem Englischen von Dejla Jassim .





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