So voller Leben – Über meine Mutter von Pascale Hugues

Geschrieben von:

So voller Leben Pascale Hugues

Hatten die Verlage dieses Frühjahr einfach mehr davon in ihren Programmen? War meine Auswahl rein zufällig, oder stecken andere Gründe dahinter, die mir gerade verborgen sind. Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass mich auch Pascales Hugues‘ Erinnerungen und Spurensuche zum Leben und den Tod ihrer Mutter wieder sehr angerührt hat. Ähnlich wie Thomas Medicus in „Vaterlos“ beschränkt sich Hugues nicht nur auf eine persönliche und intime Geschichte, sondern erstellt gleichzeitig ein faszinierendes gesellschaftliches Porträt des vergangenen Frankreichs. 

Als erwachsene Frau durchlebt Yvette mehrfach manisch-depressive Psychosen, heute würde vermutlich die Diagnose bipolare Störung gestellt werden.

„Die Depression war die Laune einer gelangweilten Bourgeoise, die nicht weiß, wie sie ihre Nachmittage verbringen soll, und zum Zeitvertreib eine Krankheit erfindet.“

Auch die junge Hugues erfährt als Kind und Jugendliche wenig von der Erkrankung der Mutter. Erst viel später geht sie auf Spurensuche und recherchiert die Krankheits- und Lebensgeschichte ihrer Mutter.

So voller Leben – und gleichzeitig todtraurig

Sie findet eine lebenshungrige Frau, die schon als Kind in ein starres Korsett gezwungen wurde und sich nie wirklich frei entfalten konnte. Später, als junge Erwachsene, drängen sie Ehe und zwei Kinder in die nächste vorgegebene feste Rolle.

Aber waren wirklich individuelle und gesellschaftliche Zwänge schuld an Yvettes psychischer Erkrankung und schließlich an ihrem Selbstmord.

Hugues beschreibt die Umbrüche im Frankreich der 68er und wie sehr sich ihre Mutter für die feministische Bewegung engagierte. Ich finde diese Kapitel unglaublich interessant und super spannend angesichts von Entwicklungen in den letzten Jahren, die ich als Feministin zu beobachten glaube. 

Das Leben von Yvette, Hugues Mutter, endet unendlich traurig mit einer Verzweiflungstat. Und doch überwiegt in „So voller Leben“ nicht die Trauer. Sondern in Hugues Erinnerungen und Gedanken überwiegen die Liebe und die Lebensfreude, die Yvette genauso in ihr Umfeld gebracht hatte. 

Hugues schrieb „So voller Leben“  als sie bereits älter ist, als ihre Mutter jemals geworden ist. Und ich spüre förmlich wie ihr Text einen Raum für diese Frau gestalten soll. Und zwar nicht nicht als Mausoleum, sondern als lebendige Möglichkeit auch für uns, diese Frau und die Zeit in der sie gelebt hat kennenzulernen.

  • Pascale Hugues
  • So voller Leben Pascale Hugues Klappentext

Oh, hallo 👋 Schön, das du da warst!

Trag dich ein, um regelmäßig tolle Buchtipps in deinen Posteingang zu bekommen.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Rezensionen Buchblog Lust auf Literatur

Oh, hi! 👋
Schön, Dich zu treffen.

Hast Du Lust auf Literatur?

Trage Dich hier ein, um die neuesten Beiträge in deinen Posteingang zu bekommen.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.


Entdecke mehr von Lust auf Literatur | Literatur Blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert