Über Sylvia Plath und Taylor Swift
Auf die Dichterin und Schriftstellerin Maggie Nelson wurde ich durch ihr Buch „Die roten Stellen – Autobiographie eines Prozesses“ in dem sie über den Mord an ihrer Tante und den anschließenden Prozess schreibt, aufmerksam. Mich faszinierte ihre klare und intellektuelle Art, ihre Erlebnisse und Gedanken zu analysieren und ihre Beobachtungen in einen feministischen und gesellschaftlichen Kontext zu setzen.
Jetzt bin ich nicht unbedingt ein Fan von Taylor Swift, aber absolut fasziniert von diesem weiblichen Pop Star, der jetzt schon seit vielen Jahren die Massen bezaubert und an sich bindet. Der autobiografische Essay von Anne Sauer „Look What She Made Us Do“ hat mir sehr geholfen, einiges von der Faszination, die Taylor Swift auf ihr Fandom ausübt, zu verstehen.
Und dieses Vorwissen hat mir beim Lesen von „The Slicks“ sehr weitergeholfen, denn Nelson setzt einiges an Grundwissen über Swift und Plath voraus. Es ist offenkundig, dass sie sich bereits lange und intensiv mit den Werken beider Künstlerinnen auseinandergesetzt hat, sowie mit deren Rezeption in den Texten anderer.
In ihrem Essay vergleicht sie die beiden Frauen vor allem in Hinblick auf den Ruhm bzw. ihre Berühmtheit, die sie während (Swift) und nach (Plath) ihren Lebzeiten erfahren. Beide Frauen eint das unablässige Streben nach Ruhm und die harte Arbeit, die sie bereit sind dafür einzusetzen. Mit größtmöglichem unterschiedlichem Erfolg und Ausgang.
Swift und Plath – ein Gegensatz?
Nelson beschreibt Plath und Swift als zwei Seiten der Medaille von weiblichem Ehrgeiz und künstlerischer Schaffenskraft: die eine führt zu unermesslichem Ruhm, die andere in Verzweiflung und Suizid.
“Wenn ich über Swift und Plath zusammen nachdenke, kehre ich immer wieder zu einem sehr schlichten Gedanken zurück: Sylvia Plath ist tot, und Taylor Swift lebt.”
Ich habe den kurzen, aber sehr gehaltvollen Text super gerne und mit Interesse gelesen und würde ihn als anspruchsvoll (für mich), aber noch lesbar beschreiben, also ähnlich wie ich bereits „Die roten Stellen“ empfunden hatte.
Etwas schade fand ich, dass er nicht wirklich aktuell (von 2024) ist und somit die neuesten Entwicklungen in Swifts Leben und Karriere nicht berücksichtigt. Außerdem würde ich ihn dezidiert Leser*innen empfehlen, die sich schon mit den Arbeiten Nelsons, Swift und Plath beschäftigt haben.
Vielen lieben Dank an Hanser Berlin für das schöne Rezensionsexemplar! Danke und viel Erfolg an Maggie Nelson für ihren Essay!
Übersetzt aus dem Englischen von Cornelius Reiber




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