Die lichten Sommer von Simone Kucher

Geschrieben von:

Die lichten Sommer Simone Kucher Rezension

Rezension

An einen Satz muss ich immer denken, während ich „Die lichten Sommer“ von Simone Kucher lese. „Ja, früher war alles besser“ the fuck!

But guess what, es war schon immer komplex.

In dieser Zeit wird Liz erwachsen. Sie ist das Kind zweier aus Südmähren vertriebener Eltern. Die Jugend ihrer Mutter Nevenka erzählt Kucher auf einem zweiten, zeitlich versetztem Strang.

Liz erlebt wie viele Flüchtlinge überall auf der Welt und zu allen Zeiten Ausgrenzung und Abwertung. Da scheint der jungen Frau die Ehe mit dem gediegenen Robert wie die Rettung und der Aufstieg in besser gestellte Gesellschaftskreise.

Die Ehe zu einer Zeit, als Männer ihren Frauen noch das Erwerbsarbeiten, ein eigenes Konto und sexuelle Selbstbestimmung rechtlich unterstützt verbieten konnten, als Befreiungsschlag?

Besonders die Beschreibung von Liz`s Ehealltag und den Umgang mit ihren Kindern fand ich eindringlich und ernüchternd.

Nevankas Geschichte, die Mutter von Liz, die in der Tschechoslowakei geboren wird und dort bis zur ihrer Vertreibung nach dem Krieg aufwächst, ist anfangs leichtfüßiger und voller zärtlicher Freundschaftsmomente. Doch auch hier lauern in der Erwachsenenwelt unausgesprochene Schrecken und unsagbare Erlebnisse.

Gibt es ein Zueinanderfinden trotz der Sprachlosigkeit?

Die Schicksale beider Frauen berühren mich. Näher kommt mir allerdings die Geschichte von Liz, die zur Generation meiner Mutter gehört und deren Jugend und Lebensweg zwar anders verlaufen, aber doch unter ähnlichen gesellschaftlichen Vorzeichen stattgefunden haben muss.

Die Sprache ist einfach und adjektivreich was schöne innere Bilder erzeugt, die Pelzmäntel sind butterweich, die Tropfen haselnussgroß.

Ansonsten ist Kuchers Schreibstil überraschend schlicht und ohne literarische Petitessen, was im Charakter sehr gut zu den Figuren passt. 

Dennoch kann mich der Roman erst im letzten Drittel so richtig erreichen. Ich glaube, es ist die distanzierte beobachtende Erzählperspektive, die für mich zur Hindernissschwelle wird.

„Die lichten Sommer“ ist auf jeden Fall ein lesenswerter Roman, kann aber bei meinen zuletzt gelesen Highlights unter den Debütromanen nicht mithalten. Muss er ja aber auch gar nicht.

  • Simone Kucher
  • die lichten Sommer Kurzbeschreibung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert